Berans Kulturbotschaft 7

„Bewundert das Pferd statt Leckerlis zu geben“

 

Die perfekt harmonische Beziehung gibt es leider weder zwischen zwei Menschen noch zwischen Mensch und Pferd. Allzu häufig spürt man, dass Partner nicht wirklich einen guten Draht zueinander haben – sei es, weil sie einfach nicht zueinander passen und Reibungen programmiert sind, sei es, weil einer der beiden ständig den anderen dominieren möchte oder weil sie sich einfach nicht vertrauen. Wie oft höre ich den Wunsch, dass Reiter möchten, dass ihr Pferd ihnen vertraut. Dabei trauen sie selbst ihrem Pferd überhaupt nicht.

Mit dem Respekt ist es dasselbe wie mit dem Vertrauen. Immer wieder beobachte ich, dass Reiter ihre Pferde zwar sehr mögen, aber sich und dem Pferd keine Grenzen und keinen Rahmen setzen. Sie sind inkonsequent beim Reiten oder im Umgang, leben teilweise sogar ihre Launen am Partner aus. Das ist respektlos – und warum sollte das Pferd umgekehrt da dem Menschen Respekt zollen? Pferde können mit Unklarheit nicht umgehen, und bei aller Sympathie, die der Mensch ihnen entgegenbringt, werden sie so jemandem nicht vertrauen. Da hilft auch das ständige Füttern von Leckerlis nichts.

Statt der großen Tüte Leckerli gibt es ein anderes Wundermittel für die Beziehungspflege: eine große Portion Bewunderung für das Gegenüber. Den anderen einfach toll zu finden und das auch ohne Wenn und Aber zum Ausdruck zu bringen, ist normalerweise der erste Schritt zu einem glücklichen Miteinander – Pferde spüren das und wenden sich uns dann gerne zu! Bewunderung allein reicht freilich nicht auf Dauer, denn nun muss der tägliche, intensive Umgang folgen, bei dem ich mich stets fair benehme und das Pferd mich allmählich kennen und (ein)schätzen lernt. So baut es Vertrauen auf.

Letztlich ist die Basis einer guten Beziehung stets der Wunsch, dass der Partner zufrieden ist, dass es ihm gut geht. Und das spüren Pferde in extremer Weise. Dabei geht es gar nicht darum, dass man von morgens bis abends Stunden im Stall verbringt. Immer wieder erlebe ich Pferdebesitzer, die nur wenig Zeit haben und sich nicht täglich um ihr Pferd kümmern können, die aber alles machen, damit ihr Pferd sich wohlfühlt: Sie kundschaften den möglichst optimalen Stall aus, auch wenn er nicht der billigste ist und nicht unbedingt um die Ecke liegt. Sie suchen als Unterstützung einen Reiter oder Bereiter, der mit dem Pferd gut umgeht und dem es vertraut – ohne Eifersüchte zu entwickeln, weil er vielleicht sogar besser reitet als sie selbst. Zu Fütterung, Hufpflege, Equipment und medizinischen Behandlungen besprechen sich solche verantwortungsvollen Pferdebesitzer mit Fachleuten, um die fürs Pferd beste Lösung zu finden.

Verblüffend für mich ist dabei immer wieder, dass Pferde solche Menschen wirklich mögen, ihnen entgegen wiehern und spürbar gerne mit ihnen zusammen sind – obwohl sie relativ wenig Zeit mit dem Pferd verbringen. Die perfekt harmonische Beziehung ist also nicht von der Dauer der gemeinsam verbrachten Zeit abhängig. Vielmehr ist es die Haltung, in der man dem Pferd authentisch gegenüber tritt und es so nimmt, wie es ist: als Lebewesen, nicht als Statussymbol oder Ersatz für dies und das.

Die Frage, die sich jeder Pferdebesitzer immer mal stellen sollte ist deshalb, ob er sich wirklich um das Wohl seines Pferdes sorgt. Oder ob er in erster Linie sein eigenes Ego pflegt – frei nach dem Motto: „Meine Villa, mein Sportwagen, meine Yacht, mein Pferd!“